Personenmarke aufbauen als Selbstständige – was wirklich dahintersteckt | impact ix. #28


Wer eine Personenmarke aufbauen will, braucht mehr als ein hübsches Logo. Das ist die kurze Zusammenfassung von Folge 28 des impact ix. Podcasts – und sie kommt von jemandem, der es wissen muss. Lena-Marieke Rosemann ist Kommunikations- und Markendesignerin aus Lingen im Emsland und seit zehn Jahren selbstständig. In diesem Gespräch mit Meik und Basti von innolethix erklärt sie, warum echte Sichtbarkeit von innen kommt, was KI mit kreativer Arbeit macht – und wie aus einer Hochzeitseinladung ein ganzes Geschäftsmodell wurde.

Von der Hochzeitseinladung zur Personenmarke: Lena-Mariekes Weg in die Selbstständigkeit

Lena-Marieke hat einen Weg hinter sich, der so nicht geplant war – und genau deshalb so interessant ist. Nach Ausbildung und Studium im Bereich Kommunikations- und Mediendesign, nach Jahren in Agenturen und klassischer Werbearbeit, begann ihre Selbstständigkeit mit einem eher unerwarteten Impuls: einer Hochzeitseinladung. Sie durfte sie für Freunde gestalten, es hat ihr so viel Spaß gemacht, dass sie dachte, das könnte eine Marktlücke sein. Es war keine – aber der Funke war gezündet.

Jahrelang war individuelle Hochzeitspapeterie ihr Hauptgeschäft. Dann veränderte sich der Markt. Erst leise, dann deutlich. Online-Konfiguratoren übernahmen, was früher Handarbeit war. Corona legte die gesamte Branche lahm. Und irgendwann stand Lena-Marieke an einem Punkt, an dem sie ehrlich zu sich sein musste: Dieser Teil ihrer Arbeit zog sie nicht mehr. Er strengte an, statt zu beflügeln.

Was folgte, war kein dramatischer Bruch, sondern ein schleichender Übergang. Parallel zur Hochzeitspapeterie hatte sie immer schon Unternehmenskunden im Bereich Corporate Design begleitet – Visitenkarten hier, ein neuer Briefbogen dort. Diese Aufträge wuchsen. Sie sprach bestehende Kunden aktiv an. Und als 2020 ihr Sohn geboren wurde – eine Woche vor dem ersten Lockdown –, hatte sie bereits begonnen, ihren Fokus zu verschieben.

Heute begleitet Lena-Marieke Menschen und Unternehmen dabei, ihre Marke zu entwickeln und sichtbar zu machen. Ihr Schwerpunkt: Personenmarken und Personal Branding für Selbstständige und Führungskräfte.

Was bedeutet es, eine Personenmarke aufzubauen – wirklich?

Der Begriff klingt für manche nach Marketing-Vokabular, nach Oberfläche. Lena-Marieke sieht das anders – und sie erklärt es überzeugend. Für sie geht es nicht darum, jemandem von außen eine Identität überzustülpen. Es geht darum, herauszuarbeiten, was in einer Person bereits steckt. Was sie besonders macht. Was sie von anderen unterscheidet.

Der Prozess, den sie mit ihren Kunden durchläuft, beginnt lange bevor auch nur ein Logo entworfen wird. Es geht um Fragen: Wer bist du? Was willst du vermitteln? Für wen machst du das? Und: Warum sollten Menschen zu dir kommen und nicht zu jemand anderem?

Dieser Klärungsprozess hat eine Wirkung, die über das Visuelle hinausgeht. Lena-Marieke erlebt es immer wieder: Wenn Menschen ihre eigene Personenmarke entwickeln, entsteht ein Selbstbewusstseinsschub. Sie sehen sich selbst klarer. Sie treten anders auf. Und das wiederum strahlt nach außen – auf Kunden, auf Netzwerke, auf den Markt.

Sichtbarkeit als Selbstständiger, so fasst sie es zusammen, ist letztlich eine Frage der Positionierung. Wer nicht klar sagt, was ihn ausmacht, wird schlicht nicht wahrgenommen. Und wer nicht wahrgenommen wird, macht keine Umsätze.

Regionalität als Vertrauenswährung im Personal Branding

Ein Punkt, der im Gespräch besonders deutlich wird: Trotz aller Digitalisierung spielt der regionale Kontext für Lena-Marieke eine wichtige Rolle – aber anders als früher. Bei Hochzeitseinladungen war die Nähe zum Kunden einmal ein Vorteil, dann plötzlich irrelevant. Im B2B-Bereich dagegen gilt: Vertrauen entsteht oft über Sichtbarkeit im eigenen Umfeld.

Im Emsland, sagt sie, kennt man sich. Menschen beobachten nicht nur, welche Dienstleistungen jemand anbietet – sie beobachten auch, welche Marken entstehen und wie sich diese entwickeln. Wer eine Marke entwirft, die in der Region sichtbar wird und funktioniert, baut damit stilles Vertrauen auf. Das ist eine Währung, die sich nicht kaufen lässt.

Gleichzeitig betont sie: Regionalität ist kein Schutzschild mehr. Es reicht nicht, einfach vor Ort zu sein. Man muss trotzdem erklären können, warum man besonders ist. Nur ist das Wie der Positionierung heute ein anderes als noch vor zehn Jahren.

KI im Kreativbereich: Was ändert sich für Markendesignerinnen?

Die Frage, die früher oder später in fast jedem Gespräch über Selbstständigkeit und Kreativarbeit auftaucht, kommt auch hier: Was macht künstliche Intelligenz mit kreativer Arbeit – und konkret mit dem Aufbau von Personenmarken?

Lena-Marieke antwortet ohne Dramatik. Ja, es gibt Tools, die Design-Aufgaben übernehmen können. Ja, diese Werkzeuge werden besser. Und ja, sie nutzt sie selbst – für bestimmte Schritte, um effizienter zu werden. Aber sie glaubt nicht, dass KI das ersetzen kann, was den Kern ihrer Arbeit ausmacht: die menschliche Beziehung, das Zuhören, das gemeinsame Herausarbeiten von Klarheit.

Bevor sie in einem Projekt überhaupt anfängt, Gestaltung zu denken, passiert sehr viel. Gespräche, Fragen, Entscheidungen, Korrekturen. Wer diese Phase nicht durchläuft, dem fehlt das Fundament – egal ob die Ausführung dann von Menschenhand oder Algorithmus kommt.

Was sie außerdem beobachtet: KI-generierte Inhalte auf LinkedIn und anderen Plattformen hinterlassen bei vielen Menschen ein ungutes Gefühl. Man erkennt sie – am Aufbau, an der Gleichförmigkeit, an der merkwürdigen Glätte. Und sie empfindet solche Beiträge als wenig professionell, wenn dahinter eine Personenmarke stehen soll, die Vertrauen aufbauen will.

KI als Werkzeug – ja. KI als Ersatz für das Eigene – nein.

Selbst und nicht mehr ständig: Warum Grenzen zur Marke gehören

Lena-Marieke hat jahrelang gemeinsam mit ihrer Cousine Maike einen Podcast geführt. Er hieß zunächst „Selbst und ständig“ – ein Name, der das damalige Lebensgefühl der beiden genau traf. Immer verfügbar, immer im Kopf beschäftigt, kaum eine Grenze zwischen Arbeit und allem anderen.

Dann veränderte sich das Leben. Kinder kamen. Elternteile wurden krank. Prioritäten verschoben sich. Nach einer Pause tauften sie den Podcast um: „Selbst und nicht mehr ständig“. Ein kleines Rebranding, das viel aussagte. Die Welt geht nicht unter, wenn man aufhört, ständig erreichbar zu sein.

Über 100 Folgen haben die beiden produziert. Sie sind gereist, haben Interviews in Berliner Wohnungen und Hamburger Airbnbs geführt, mit Unternehmerinnen und Führungskräften gesprochen. Heute liegt der Podcast auf Eis – nicht wegen fehlender Leidenschaft, sondern schlicht wegen fehlender Zeit. Alle Folgen sind noch online. Und Lena-Marieke lässt keinen Zweifel daran, dass das Mikrofon irgendwann wieder in die Hand genommen wird.

Das Gespräch mit Lena-Marieke zeigt, wie eng Beruf und Persönlichkeit miteinander verwoben sein können – und was es wirklich bedeutet, eine Personenmarke aufzubauen. Nicht als Verkleidung. Sondern als Haltung.

Die vollständige Episode von impact ix. gibt es überall, wo es Podcasts gibt.

Lena-Marieke findet ihr unter [lena-marieke.de](https://www.lena-marieke.de/), auf [LinkedIn](https://www.linkedin.com/in/lena-marieke-rosemann-1b3b95a9/) und den Podcast „Selbst und nicht mehr ständig“ unter [selbstundstaendig.podigee.io](https://selbstundstaendig.podigee.io/about).