impact ix. | Episode #024: Payment als Experience


Wie Unzer Sport, Technologie und Netzwerke strategisch verbindet

impact ix. – Folge 24 mit Steve Meerbach

Bezahlen ist kein emotionales Thema.
Niemand steht morgens auf und freut sich auf den nächsten Payment-Prozess. Und genau darin liegt die Herausforderung.

In Folge 24 von impact ix. sprechen wir mit Steve Meerbach von Unzer darüber, wie man ein Produkt vermarktet, das im Idealfall unsichtbar bleibt – und warum Sport dabei zu einem strategischen Hebel werden kann.

Unzer ist ein „Made in Germany“-Payment- und Software-Unternehmen mit rund 800 Mitarbeitenden und Fokus auf den deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen deckt die gesamte Wertschöpfungskette rund ums Bezahlen ab – vom Terminal im stationären Handel bis zur komplexen Payment-Integration im E-Commerce und in großen Sportarenen.

Unsichtbar – aber entscheidend

Ein zentrales Spannungsfeld im Gespräch: Payment soll funktionieren, aber nicht auffallen. Die Marke des Händlers steht im Vordergrund, nicht der Zahlungsdienstleister.

Für das Marketing ist das eine paradoxe Ausgangslage. Wie baut man Bekanntheit auf, wenn der Endkunde die Marke idealerweise gar nicht wahrnimmt?

Unzers Ansatz ist klar B2B-getrieben. Entscheider im Handel, in der Gastronomie oder im Sport sollen das Unternehmen als strategischen Partner wahrnehmen. Nicht als reinen Terminal-Anbieter, sondern als Enabler für ganzheitliche Customer Journeys.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um „Kartenzahlung statt Bargeld“. Es geht um Experience-Design.

Vom Schlauchboot zum Kreuzfahrtschiff

Ein prägnantes Beispiel aus der Folge ist der SAP Garden in München. Der Umzug vom kleineren Stadion in eine moderne Arena war nicht nur ein infrastruktureller Wechsel, sondern eine Neugestaltung der gesamten Fan-Experience.

Cashless-Zahlung ist hier kein Selbstzweck, sondern Bestandteil eines Systems:

  • Mobile Ordering vom Sitzplatz
  • Pre-Order in der Halbzeitpause
  • Fastlane-Prozesse
  • Loyalty-Programme
  • Incentives wie exklusive Fan-Artikel oder Charity-Mechaniken

Payment wird damit Teil des Erlebnisses – nicht bloß Abwicklung.

Interessant ist dabei, dass solche Umstellungen auch in Deutschland funktionieren, einem Markt, der lange als bargeldaffin galt. Entscheidend ist nicht das Verbot von Bargeld, sondern der Mehrwert für den Nutzer. Wenn Prozesse schneller, bequemer und transparenter sind, steigt die Akzeptanz.

Sport als strategisches Netzwerk

Warum spielt Sport für Unzer eine so zentrale Rolle?

Nicht primär wegen der Sichtbarkeit. Ein Bundesliga-Trikot-Sponsoring wäre möglich, aber wirtschaftlich wenig sinnvoll. Stattdessen verfolgt Unzer einen gezielten Netzwerk-Ansatz.

Vereine – vom Amateurclub bis zur Bundesliga – sind regionale Multiplikatoren. Sie vereinen Unternehmer, Sponsoren, Mittelständler, Entscheider. Wer dort als Technologiepartner auftritt, ist Teil eines Ökosystems.

Das Prinzip ist strategisch klug:
Über die Partnerschaft mit einem Verein entstehen Gespräche mit dessen Netzwerk. Über erfolgreich umgesetzte Digitalprojekte entstehen Referenzen. Und über diese Referenzen entstehen neue Kontakte.

Sport wird damit zu einem Vertriebskanal – aber einem emotional aufgeladenen.

Ein weiterer Effekt: Vereine selbst stehen zunehmend vor Digitalisierungsfragen. Ticketing, Mobile Payment, Self-Checkout, Datenanalyse – all das sind Themen, die in modernen Arenen selbstverständlich werden. Wer hier als Lösungsanbieter auftritt, positioniert sich als Innovator.

„Made in Germany“ als Differenzierungsmerkmal

Ein weiterer Aspekt der Folge ist die geopolitische Dimension. Payment ist kein neutraler Markt. Viele große Anbieter stammen aus den USA. Digitale Souveränität wird zunehmend diskutiert – auch im Zahlungsverkehr.

Unzer positioniert sich bewusst als „Made in Germany“-Anbieter. Entwicklung, Betrieb und Betreuung erfolgen in Deutschland. In Pitches sorgt das häufig für einen Aha-Moment, weil viele Entscheider davon ausgehen, dass Payment-Lösungen primär international geprägt sind.

Diese Positionierung ist mehr als Marketing. Sie adressiert Fragen von Datenhoheit, regulatorischer Nähe und langfristiger Stabilität.

Agentic Commerce: Wenn KI bezahlt

Ein besonders spannender Teil des Gesprächs dreht sich um Agentic Commerce.

Was passiert, wenn KI-Agenten künftig komplette Kaufprozesse übernehmen? Wenn sie Reisen planen, Produkte auswählen und im Hintergrund autonom bezahlen?

Die Payment-Welt wird dadurch fundamental verändert. Es geht nicht mehr nur um Endkunden, sondern um Maschinen, die im Auftrag von Menschen Transaktionen auslösen.

Für Payment-Anbieter bedeutet das:

  • Neue Integrationsschnittstellen
  • Tokenisierung von Zahlungsdaten
  • Sicherheitsarchitekturen für KI-gestützte Prozesse
  • Akzeptanzmodelle für automatisierte Agenten

Unzer arbeitet bereits an Pilotprojekten in diesem Bereich. Das zeigt: Payment ist kein statisches Backend-Thema, sondern Teil einer technologischen Transformation.

Kultur: Tech statt Bank

Obwohl Unzer im Finanzumfeld agiert, beschreibt Steve die Unternehmenskultur klar als Tech-getrieben. Du-Kultur, flache Hierarchien, schnelle Entscheidungswege.

Ein Beispiel: Interne KI-Hackathons, bei denen Mitarbeitende aus unterschiedlichen Fachbereichen in einer Woche Prototypen entwickeln. Die besten Ideen werden weiterverfolgt und in marktfähige Lösungen überführt.

Diese Geschwindigkeit ist auch im Marketing spürbar. Partnerschaften entstehen oft innerhalb weniger Wochen. Aktivierungen werden pragmatisch umgesetzt. Der Anspruch ist nicht Perfektion, sondern Wirkung.

Das ist besonders relevant in einem Markt, der sich rasant verändert.

Payment als strategischer Hebel

Ein zentraler Gedanke der Folge lautet: Payment ist oft der letzte Schritt in einem Projekt – dabei sollte es frühzeitig mitgedacht werden.

Ob E-Commerce, Stadionbau oder Retail-Konzept: Die Zahlungsinfrastruktur beeinflusst Prozesse, Datenflüsse, Customer Experience und Monetarisierungsmodelle.

Wer Payment als reine Commodity betrachtet, verschenkt Potenzial. Wer es als strategischen Hebel begreift, kann Differenzierung schaffen.

Im Sport zeigt sich das besonders deutlich. Cashless-Modelle ermöglichen nicht nur schnellere Abläufe, sondern neue Interaktionsformen mit Fans. Loyalty-Systeme, Gamification, Datenanalyse – all das baut auf der Zahlungsinfrastruktur auf.

Fazit: Wirkung entsteht im Zusammenspiel

Die Folge mit Steve Meerbach zeigt, dass selbst ein scheinbar nüchternes Thema wie Payment emotional und strategisch aufgeladen sein kann.

Unzer verbindet drei Ebenen:

  1. Technologie – schnelle, sichere, integrierte Payment-Lösungen
  2. Netzwerke – strategische Partnerschaften im Sport
  3. Experience – ganzheitliche Customer Journeys

Die eigentliche Leistung besteht nicht im Terminal oder im API-Zugang. Sie besteht im Zusammenspiel.

Und vielleicht ist das die zentrale Erkenntnis:
Wirkung entsteht selten dort, wo sie sichtbar ist. Sie entsteht im Hintergrund – in Infrastruktur, Architektur und strategischen Entscheidungen.


Weiterführende Links

Steve Meerbach – LinkedIn
https://www.linkedin.com/in/steve-meerbach/

Unzer
https://www.unzer.com

impact ix. & innolethix
https://innolethix.com