impact ix. | Episode #022:Netzwerken als Wirkungskompetenz mit Viola Heller


Warum echte Beziehungen wichtiger sind als Kontakte

Podcast impact ix. – Folge 22 mit Viola Heller

Netzwerken gilt vielen noch immer als etwas Oberflächliches: Kontakte sammeln, Visitenkarten tauschen, LinkedIn-Anfragen verschicken, Erwartungen managen. In der Praxis erleben wir jedoch immer wieder, dass genau diese Vorstellung dem eigentlichen Potenzial von Netzwerken im Weg steht. In Folge 22 des Podcasts impact ix. sprechen wir mit Viola Heller über eine andere Perspektive: Netzwerken als Wirkungskompetenz – menschlich, langfristig und bewusst gestaltet.

Die Folge markiert zugleich den Auftakt ins Podcastjahr 2026 und knüpft an eine zentrale Frage an, die uns bei innolethix immer wieder begegnet: Wie entsteht Wirkung – jenseits von Methoden, Rollen und formalen Strukturen?

Netzwerken ist kein Beruf – oder doch?

Viola Heller beschreibt sich selbst augenzwinkernd als jemanden, der „hauptberuflich netzwerkt“. Was zunächst irritiert, wird schnell nachvollziehbar, wenn sie ihren Werdegang schildert. Bereits vor dem Studium sammelte sie im Europa-Park Erfahrungen in der Betreuung von Geschäftspartnern, Prominenten und Führungskräften – in einem Umfeld, das bewusst nicht klassisch-businesshaft war. Achterbahnfahrten statt Konferenzräume, Begegnungen auf Augenhöhe statt formeller Hierarchien.

Diese frühe Prägung führte zu einer zentralen Erkenntnis: Menschen bleiben Menschen – unabhängig von Titel, Position oder Branche. Die wirklich erfolgreichen Persönlichkeiten zeichneten sich nicht durch Distanz oder Status aus, sondern durch Nahbarkeit, Respekt und echtes Interesse am Gegenüber. Eine Erfahrung, die Viola später in Konzernen, in der Beratung und schließlich in ihrer selbstständigen Tätigkeit immer wieder bestätigte.

Beziehungen vor Transaktionen

Ein zentrales Motiv des Gesprächs ist die klare Abgrenzung zwischen Netzwerken und Sales. Netzwerke sind keine Vertriebskanäle, keine Garantie für schnelle Ergebnisse und kein Instrument, um kurzfristige Ziele durchzusetzen. Wer Netzwerke ausschließlich transaktional denkt, riskiert Enttäuschung – auf beiden Seiten.

Viola plädiert für einen Perspektivwechsel: Netzwerken bedeutet zunächst, Beziehungen aufzubauen, die stabil sind, auch wenn gerade kein konkreter Nutzen entsteht. Erst diese Stabilität schafft die Grundlage dafür, später um Unterstützung zu bitten, Ideen zu teilen oder Kooperationen anzustoßen. Nicht jede Anfrage muss erfolgreich sein, nicht jede Verbindung intensiv. Entscheidend ist, dass sie ehrlich ist.

Gerade im beruflichen Kontext fällt das vielen schwer. Erwartungen werden nicht ausgesprochen, Rückmeldungen bleiben aus, Enttäuschungen werden personalisiert. Dabei, so Viola, liegt das Problem häufig nicht im Netzwerk selbst, sondern in der eigenen Kommunikation: Was erwarte ich eigentlich? Habe ich diese Erwartung klar formuliert? Und bin ich auch bereit, ein Nein zu akzeptieren?

Netzwerke professionalisieren – ohne sie zu instrumentalisieren

Ein spannender Punkt im Gespräch ist die Frage, ob und wie Netzwerken professionalisiert werden kann. Viola argumentiert klar: Professionalisierung bedeutet nicht Optimierung im Sinne von Effizienz oder Skalierung, sondern Selbstklärung.

Wer wirksam netzwerken will, sollte sich mit grundlegenden Fragen beschäftigen:

  • Wie gehe ich gern in Kontakt mit Menschen?
  • Welche Kommunikationsformen liegen mir?
  • In welchen Settings fühle ich mich wohl?
  • Was kann und will ich langfristig geben?

Netzwerken ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess. Beziehungen verändern sich, Intensitäten schwanken, neue Kontakte kommen hinzu, andere treten in den Hintergrund. Qualität ist dabei wichtiger als Quantität. Ein kleines, tragfähiges Netzwerk kann wirkungsvoller sein als hunderte lose Kontakte – unabhängig davon, ob jemand introvertiert oder extrovertiert ist.

Keine Trennung zwischen privat und beruflich

Ein weiterer zentraler Gedanke der Folge ist die Auflösung der Trennung zwischen privatem und beruflichem Netzwerk. Viola hält diese Unterscheidung für künstlich. Beziehungen entstehen auf einer menschlichen Ebene – Interessen, Werte, Lebenssituationen spielen dabei eine größere Rolle als formale Rollen.

Viele berufliche Chancen entstehen über private Kontakte: Praktika, Jobwechsel, Kooperationen, Gründungen. Das ist kein Makel des Systems, sondern Ausdruck seiner Funktionsweise. Entscheidend ist nicht, dass Netzwerke wirken, sondern wie bewusst und verantwortungsvoll wir mit ihnen umgehen.

Netzwerken in Organisationen: Nice-to-have oder strategische Notwendigkeit?

Im Podcast diskutieren wir auch die Perspektive von Organisationen. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten gelten Netzwerkveranstaltungen, Communities oder informelle Austauschformate schnell als verzichtbar. Der Nutzen sei schwer messbar, der Return on Investment unklar.

Viola widerspricht dieser Sichtweise deutlich. Netzwerke lassen sich nicht quartalsweise messen – aber sie sind die Grundlage für Vertrauen, Innovationsfähigkeit und langfristige Zusammenarbeit. Auch klassische Sales-Prozesse funktionieren ohne Netzwerke kaum noch, insbesondere im B2B-Bereich mit langen Entscheidungszyklen. Die Alternative zu Netzwerken ist nicht Effizienz, sondern Kurzfristigkeit.

Organisationen stehen daher vor einer strategischen Entscheidung: Entweder sie schaffen bewusst Räume für Begegnung, Austausch und Beziehungspflege – oder sie verlassen sich darauf, dass einzelne Mitarbeitende diese Kompetenz informell mitbringen. Beides ist möglich, aber nicht gleich wirksam.

Netzwerke, Sichtbarkeit und Gleichberechtigung

Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist Violas Arbeit mit Frauen und Führungskräften. Ihr Ansatz ist dabei bewusst nicht moralisch aufgeladen, sondern betriebswirtschaftlich argumentiert: Ungenutzte Potenziale sind ein wirtschaftliches Problem. Fehlende Sichtbarkeit, informelle Ausschlüsse und einseitige Netzwerke kosten Organisationen Leistungsfähigkeit.

Netzwerke sind nie neutral. Sie reproduzieren bestehende Strukturen – oder sie öffnen neue Räume. Wer Wirkung entfalten will, muss sich dieser Dynamik bewusst sein und aktiv daran arbeiten, inklusive Begegnungsräume zu schaffen. Kunst, Kultur oder interdisziplinäre Formate können dabei Brücken schlagen, weil sie jenseits klassischer Machtlogiken funktionieren.

Fazit: Wirkung entsteht zwischen Menschen

Folge 22 von impact ix. macht deutlich: Netzwerken ist kein Add-on, sondern ein zentraler Hebel für Wirkung – individuell wie organisational. Es geht nicht um Sichtbarkeit um jeden Preis, sondern um Resonanz. Nicht um Reichweite, sondern um Beziehungen. Nicht um Kontrolle, sondern um Vertrauen.

Für uns bei innolethix bestätigt diese Folge einmal mehr: Wirkung entsteht selten in linearen Prozessen. Sie entsteht zwischen Menschen, in Übergängen, in informellen Momenten. Wer diese Räume ernst nimmt und bewusst gestaltet, schafft die Grundlage für nachhaltigen Impact.


Weiterführende Links

Viola Heller

impact ix. & innolethix

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